Aprilscherz oder Weihnachsgeschenk – Schneefall im Oktober 2016 in Italien

Grenzberg zwischen Kärnten und Slowenien oder Moggio Udinese in Italien – die Entscheidung sollte spontan am Dienstagmorgen den 11.Oktober 2016 fallen. Doch diese Entscheidung wurde uns abgenommen, denn am Morgen waren die Karawanken in Wolken gehüllt, und hier und da war ein in Schnee gehüllter Gipfel zu sehen.

Also die Ausrüstung und die Bikes ab ins Auto und rauf auf die Autobahn mit Kurs Italien. Kaum die Grenze passiert, begrüßte uns die Sonne und blauer Himmel, aber auch hier waren die Gipfel leicht mit Schnee bedeckt. Egal! Wir starten die 1500 hm Tour.

Moggio Udinese in Italien

Am Zielort angekommen, werden wir erst einmal überrascht – es ist doch kälter als angenommen, aber die Auffahrt sollte uns noch mächtig einheizen. Also Auto ausladen und los geht’s, allen voran Hündin Jojo, unsere treue Begleiterin bei Touren. Über teils sonnige Forststraßen gelangen wir schließlich zur ersten Abzweigung, deren Anblick sich für uns als Überraschung gestaltet. Anstatt der Forststraße weiter zu folgen, schlängelt sich nun unser Weg auf einem steilen Singletrail den Berg hoch. Ab hier war Schieben angesagt. Unsere Motivation neue Trails zu erkunden, wird dadurch nur noch verstärkt. Wir müssen immer wieder kleine Pausen einstreuen, natürlich auch um die Tour auf Fotos festzuhalten.

Der Schneefall setzt ein

Bei einer dieser Pausen meint Herwig plötzlich: „Sag mal, ist das Schnee??“. Und tatsächlich! Während wir uns den Weg durch den Wald zum Gipfel hochkämpfen, entscheidet sich die Bergregion für einen Wetterwechsel! Statt blauem Himmel und Sonnenschein wechselt das Wetter innerhalb einer halben Stunde auf  Schneefall und bewölkt. Aber Umkehren kommt nicht in Frage, und irgendwie hat das Ganze ja auch seinen Reiz.

Entscheidung für den ersten Gipfel

Nach einer kurzen, fahrbaren Passage muss schließlich die nächste Entscheidung getroffen werden. Folgen wir dem Rundtrail, welcher den Gipfel etwas unterhalb umrundet, oder nehmen wir die Abzweigung und folgen dem Weg auf den Gipfel des Berges. Doch eigentlich ist die Entscheidung schon vorher gefallen. Wir wollen es unbedingt auf den Gipfel schaffen (möglicherweise erwarten uns dort atemberaubende Trails hinunter). Gesagt, getan! Von hier an heißt es: Bike auf den Rücken und die letzten 250hm bis zum Gipfel tragen. So einfach es klingt, umso schwerer war es. Der Trail, teilweise mit umgestürzten Bäumen verblockt, endet schon nach wenigen Metern und der Weg nach oben ist nur noch zu erahnen. Mittlerweile hat sich schon ein leichter Schneesturm eingestellt, der sein Übriges beiträgt. Nach 200hm Kampf stellten wir die Bikes schließlich in flachem Gelände ab und nehmen die letzten 50hm zu Fuß in Angriff. Herwig begleitet seine letzten Schritte auf dem Gipfel mit einem „Ahhh…Vuuuuuuuiiii gooooooiil!!“, was die bisherige Tour ziemlich genau beschreibt. Die Kombination aus Wetter, Natur und Entlegenheit ist einfach einmalig!

Der erste Gipfel bei Sonnenschein und Schneesturm

Oben angekommen, wird uns ein kleines Zeitfenster mit herrlichem Panorama gegönnt, welches wir für Fotos nutzen bevor wieder schlagartig Schneefall einsetzt. Wie cool ist das denn?

Jause im Tunnel aus dem Krieg

Für unsere Jause steigen wir im Schneegestöber wieder zu unseren Rädern ab. Wir genießen unsere Jause geschützt in einem Tunnel aus dem Kriegszeiten. Schlagartig stellt das Wetter auf Sonne um! Was für ein Tag!? Der Abstieg vom Gipfel verläuft über eine zweite Route, die uns über den Nachbargipfel zurück auf den Rundtrail führt.

Der Nachbargipfel mit vielen Stellungsfestungen aus dem Krieg

Auf dem Nachbargipfel erleben wir unsere dritte Überraschung des Tages. Mittlerweile gingen wir davon aus, dass Weihnachten in den Oktober verlegt worden war! Wir stoßen auf alte Bunkeranlagen, die aus der Zeit des 1. und 2.Weltkriegs stammen mussten. Nach einem kurzen Fotobreak machen wir uns weiter an den Abstieg über ein Geröllfeld, an dessen Ende der langersehnte Einstieg in den Trail auf uns wartet.

Abfahrt und unser Entdeckerfieber für noch einen Bergrat

Obwohl teils sehr rutschig, ist der Mix aus Singletrail und frühwinterlicher Landschaft genial und einfach nur zum Genießen! Ein kurzer Gegenanstieg und der Trail, welcher uns zurück ins Tal bringt, ist in Sichtweite. Allerding führte eine Abzweigung weiter nach links in Richtung des nächsten Gipfels. Nun hatte uns das Entdeckerfieber gepackt! Wir beschließen, uns 20 Minuten Zeit zu nehmen und den Trail zu erkunden. Schließlich steht uns noch weit über eine Stunde feinster Singeltrail ins Tal bevor. Pünktlich gegen 16 Uhr starten wir also unsere Abfahrt in Richtung Tal. Mit derselben Pünktlichkeit setzt auch wieder der Schneefall ein, was unsere Laune jedoch nicht mehr trüben kann. Mit einem Grinsen im Gesicht freuen wir uns auf die nächsten 70 Minuten Abfahrt. Der Trail, immer wieder wechselnd über Schotter und Wurzeln, zieht sich durch den Wald bis ins Tal und ist mit einem bemerkenswerten und gleichzeitig überraschendem Flow befahrbar.

Noch eine Überraschung vor dem Finale

Gegen Ende der Tour kommt schließlich die letzte Überraschung der Tour zum Vorschein:  die technischen Schmankerln. Der Anblick der folgenden felsigen Stufen und Spitzkehren zaubert ein Lächeln für die letzten 100 hm in unsere Gesichter und rundet schließlich eine sehr gelungene Tour ab.

Das Resümee

Obwohl völlig fertig, resümieren wir die Tour mit einem Wort – ATEMBERAUBEND! Wir hatten eine saumäßig geile Tour erlebt, neue Trails erkundet und verschiedenste Wetterextreme erlebt. Hier wird uns klar: Das war nicht unsere letzte Tour im Gebiet rund um Moggio Udinese!

Text: Felix Erhard
Fotos: Herwig Kamnig

Fotos