Tour am 20.11.2016
Ein letztes Mal das gute Wetter ausnutzen, bevor der Winter 2016/17 wirklich vor der Tür steht. Unter diesem Kredo stand die von Guide Herwig ausgeschriebene Radlager Tagestour für einen herbstlichen Sonntag. Vier Biker und Hündin JoJo machten sich auf den Weg, einen Grenzberg in den Karawanken zu erobern. Jedoch war uns schon vorher klar, dass der einzige limitierende Faktor diesmal die Zeit sein könnte.
Warmer Herbst oder kalter Winter
Am Parkplatz angekommen, wurden wir schon mit den ersten Sonnenstrahlen belohnt. Das sich hier und da ein schneeweißer Gipfel erblicken ließ, bestärkte uns in unserer Entscheidung. Eingepackt wie Murmeltiere mussten wir jedoch relativ schnell feststellen, dass wir das Wetter deutlich unterschätzt hatten… es war eher ein warmer Herbsttag als ein Wintertag. Und auch die 900hm Auffahrt heizte uns mächtig ein…lediglich unser ehemaliger XC-Marathon Fahrer Christoph hatte die Muse, sich einen extrem steilen 200hm langen Forstweg bikend im Sattel hoch zu kämpfen – Respekt!
Neue Orientierung
Nach einer kurzen Pause, in der wir die Aussicht auf die slowenischen und italienischen Julischen Alpen genießen durften (die Sicht wurde jedoch immer wieder von kurzen massiven Wolken auf Sichtweite 20 Meter reduziert), folgten wir einer Hangquerung, die uns schließlich zu unserem Ziel bringen sollte. Christian, der vorher noch nie im Schnee gefahren ist, feierte hier seine Premiere und kam voll auf seine Kosten.
Die Entscheidung
Kurze Zeit später standen wir an den Grenzsteinen, die Österreich von Slowenien trennen. Nach einer kurzen Fotopause ging’s schließlich weiter, das Ziel war schon im Blick, und die Zeit raste uns förmlich davon. An der Abzweigung zum Gipfel wurde uns jedoch schnell klar, dass es heute sehr eng wird mit der Zeit, denn von hier an hieß es „Bike & Hike“. Die Bikes geschultert, machten wir uns auf den Weg Richtung Gipfel, was sich als sehr mühsam herausstellte. War es das wirklich wert? Letztendlich entschieden sich zwei Biker, unten an der Abzweigung zu warten. Herwig, Felix und JoJo machten sich auf den Weg, den 300hm entfernten Gipfel zu erstürmen. Dafür blieben uns maximal 45 min mit den Bikes tragend am Rücken, bevor wir wieder umkehren mussten. Aber so schnell wollten wir uns nicht geschlagen geben, wenigstens die Aussicht auf Kärnten hatten wir uns mehr als verdient. Wir stellten die Bikes nach zwei Drittel des Weges ab und machten uns leichtfüßig weiter auf den Weg. Doch wie vermutet, wurde der Zeitfaktor zu einem Problem. Wir steckten unser Ziel neu: Erreichen des Berggrats nur wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels.
Angekommen
Schließlich angekommen, wurden wir für den Aufstieg mehr als entschädigt. Wahnsinn! Ein nahezu Rundum Panorama erweiterte unsere Sinne. Tiefblicke in zwei Länder, Felsen, Sonne, Inversion, Schnee und der Nord-Süd Kontrast am Berggrat lässt uns kurz vergessen, wie sehr unsere Oberschenkel schmerzen.
Abfahrt, Zeitfaktor und Gruppentreffen
Nun aber schnell wieder an den 300hm langen Abstieg bzw. Abfahrt, denn uns standen noch weitere unbekannte 1000hm Singletrail bevor. Immer wieder durch kurze Fotoshoots unterbrochen, gelangten wir schließlich um kurz vor 15 Uhr wieder an der Abzweigung an. Unsere Gruppe war wieder vereint!
Flowtrails und technische Trails
Doch viel Zeit zum Ratschen blieb nicht, Sonnenuntergang war für 16:30 Uhr angekündigt. Schnell durften wir feststellen, dass der Trail ins Tal voller Schmankerl steckte. Immer wieder abwechselnd zwischen extrem langen flowigen Passagen im oberen Bereich und technisch anspruchsvollen kurzen Passagen im unteren Bereich zog sich der Trail über Stock und Stein dahin. Die Einsamkeit in dieser wunderschönen Natur blieb uns als etwas sehr Besonderes im Gedächtnis. Gegen Ende der Tour querten wir auch eine wunderschöne Klamm mit einem Wildbach. Rechtzeitig vor Sonnenuntergang um 16:15 Uhr spuckte uns der Singletrail nur 500 Meter entfernt direkt neben den Autos aus. Der Plan ist aufgegangen und wir rollten mit den Bikes durch das slowenische Dorf zu den Autos. Uns lag nur noch ein Wort auf den Lippen – WOW!
Wiederholung garantiert und die Erkenntnis
Jedem von uns war klar, dass wir wieder eine einzigartige Tour mit Guide Herwig Kamnig erlebt hatten, und dass sich der Kampf nach oben auf den Bergrat vollkommen gelohnt hatte. Für mehrere Stunden konnten wir den Alltagsstress vergessen und uns ganz der Natur widmen. Uns wurde aber auch Folgendes klar: Man muss es nicht immer bis auf den Gipfel schaffen um eine wunderschöne Tour zu erleben. Wir haben die Tour 100hm unter dem angestrebten Gipfel abgebrochen und hatten trotzdem eine einmalige Tour erlebt. Selbstverständlich werden wir wiederkommen, um es auf den Gipfel zu schaffen.
Text: Felix Erhard
Fotos: Herwig Kamnig
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