Der Grat – Julische Alpen

Tour am 27.05.2006Text MihiFotos Mihi, Herwig

Ich lese im Bikeboard folgende Zeilen:
“ Servus! Vor zwei Wochen hat mich mein Zahnarzt (Enduro Biker) auf den Cuarnan mitgenommen! Das war eines meiner irrsten Bike Erlebnisse! Ich möchte den Berg unbedingt noch einmal im Zeitraum von 25. bis 28 Mai befahren und euch nicht vorenthalten! Der Trail ist nur nach dem Schnee und bevor das Gras zu wuchern beginnt befahrbar. Gibs Enduroisten und Freerider die darauf Lust haben ??? Griaz, Herwig“
Und ob ich Lust hatte! Der Termin passte auch und somit wurde das meine erste Ausfahrt mit Herwig. Und was für eine Ausfahrt das war! Aber schön der Reihe nach…



Die Auffahrt bei moderater Steigung und schwüler Hitze zog sich relativ lange dahin, wurde aber durch lustige und interessante Gespräche aufgelockert – danach wusste ich z.B. ganz genau über die Arbeit eines Verfahrenstechnikers Bescheid.

Die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel mussten wir die Bikes schultern. Ich war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich zerstört, aber mit der Gipfelkapelle in Sichtweite konnte ich doch noch meine letzten Reserven mobilisieren. Selbst die heimtückischen Angriffe ganzer Heerscharen menschenfressender Mücken konnten mir nun nichts mehr anhaben.
Leider war das Panorama am Gipfel durch das recht wolkige Wetter eher getrübt. Aber zu lange hätten wir eh nicht verweilen können, da Herwig das Herannahen eines Gewitters befürchtete.

Somit schlangen wir schnell unsere Jause herunter und adjustierten uns für die bevorstehende +1000hm Abfahrt. Allerdings machte ich große Augen als ich sah, wie Herwig seinen Oberkörperprotektor samt Fullface anzog. Er hatte zwar im Vorfeld vom wilden Einstig der Abfahrt erzählt, aber als ich ihn in der Montur sah, wurde mir doch ein wenig mulmig zumute.

Der Blick auf den ersten Trailabschnitt verstärkte dieses Gefühl aber leider nur: Der schmale Pfad schlängelt sich nämlich auf den ersten 160hm entlang des Berggrates bergab. Größtenteils recht flüssig mit zwei, drei heiklen Stellen aber eigentlich immer mit Null Sturzraum. Denn rechts und links geht’s gleich mal steile 500hm bergab. Uns beiden ging also ordentlich die Pumpe.

Ich ließ Herwig den Vortritt. Der ließ sich auch nicht lumpen und absolvierte die ersten Meter ohne Sturz. Zusätzlich aufgeputscht durch die bewundernden Blicke zweier Wanderinnen, wagte auch ich den Einstieg. Nachdem ich bemerkte, dass die Reifen genug Grip boten, wurde ich sicherer und der Trail zog mich in seinen Bann. Zusätzlich sorgten aufsteigende Wolken für eine geniale Atmosphäre. Da waren nur ich und der Trail – rechts und links stand das weiße Nichts.

Am Ende des Grates wartete auch schon die nächste „Sonderprüfung“: Eine fast 45° steile Bergwiese mit dem, sich mit geradezu absurd vielen Kehren herunterschlängelnden Pfad. Nachdem Herwig und ich zu der Zeit noch nicht allzu versiert im Befahren enger Spitzkehren waren, wählten wir die direkte Linie über die Wiese.

Von nun an wurde der Trail immer flowiger und wir konnten es einfach laufen lassen. Ohne besondere Vorkommnisse (mal abgesehen von meinem geprellten Handgelenk nach einem Sturz) spuckte uns der Trail direkt in Gemona aus. Und somit konnten wir als Abschluss einer genialen Tour noch ein gutes Eis genießen.

Fotos