Nightrace – Villacher Bergland

Tour am 27.07.2002Text Herwig (geschrieben 2002)Fotos fleißige Streckenposten

Die Geburt von Nightbike
Wie kam es eigentlich zu der Idee Nightbike 2002? Kurz gesagt: Wir (Tom P., Naish und ich) machen zwei Dinge dafür verantwortlich: Das erste Argument ist eine Flasche Vodka und das zweite ist eine zweite Flasche Vodka! Ich glaube der Orangensaft war nicht ausschlaggebend. In unserem Übermut dachten wir uns einen Plan zur Verwirklichung eines Moutainbikerennens aus. Wir sind Hobbybiker und kennen einige Strecken. Wir stellten uns eine Kombination aus zuerst schwierigen Downhill von einem hohen Berg und dann einen konditionsraubenden Uphill auf einen niedrigen Berg mit anschließender mittelleichter Abfahrt mit dem Ziel Silbersee vor. Der Start sollte zeitlich so erfolgen, dass der zweite Teil des Rennen in der Nacht stattfindet.

Die Probeläufe und die Planungsphase
Wie bei der Radiosendung versprochen fährt auch Jürgen (alias Bigjuergo) bei einem Probelauf mit. Nach einer durchzechten Nacht musste ich ihn um 7:45 nur kurz motivieren und er war wieder dabei. Zum Rennen wurden die Biker mit Autos auf die Gerlitzen gebracht – für uns gilt dies heute nicht – wir (Tom P., Jürgen und ich) mussten uns den Weg auf die ca. 2000 Meter hohe Gerlitzen mit Schweiß erkämpfen wobei Jürgen noch zwei schmerzhafte Oberschenkelkrämpfe zu fühlen bekam. Jürgen wiegte sich am Gipfel schon in Sicherheit doch der Downhill nahte. Monatelanges Training im Fitnesscenter zeigte bei ihm nicht die gewünschte Wirkung. Zitat Jürgen: „Wortets a bissl! I hob Händweh!“ Fünf Minuten Später. Zitat Bigjuergo: „I muas Schuah wechseln! I hob Fiasweh!“ Leider gibt es keine Fotos von diesen mitreißenden Momenten. Den Downhill hat unser Radiomoderator sogar ohne Sturz überstanden. Jürgen erkannte früh, dass Schieben und Tragen auch eine Möglichkeiten sind über schwierige Passagen zu kommen. Alles in allem hat er sich tapfer geschlagen. Kompliment!

Aufgrund meiner weiteren Probeläufe mit Naish und seinem Bruder Werner (Stichwort: riesige analoge Helmkamera mit Tape am Helm ) fühlten wir uns gezwungen den zuerst geplanten Downhill zu verkürzen und zu vereinfachen. Die Bekanntschaft mit Stacheldraht und Vollbremsungen auf beschissener Wiese bei enormer Geschwindigkeit vom Spitz der Gerlitzen wollten wir niemanden zumuten. In Summe überstanden wir die Strecke mit einer gebrochenen Sattelhalterung, verbogenen Zahnkränzen und verdrehter Kette sowie unzähligen blauen Flecken – von der Kuhscheisse ganz abgesehen die uns um die Ohren flog.

Sponsoren
An dieser Stelle möchte ich mich im Namen aller Teilnehmer für die großzügigen Sachspenden wie Schläuche, Mäntel, Trikots, Essen, Getränke usw. bei folgenden Sponsoren bedanken:
EVOLUTIONSPORTS
RAD AUF DRAHT KLAGENFURT
RADSPORT KOTNIK
SILBERSEERANCH (PETER JUCHART)
Alle Biker die am Rennen teilnahmen erhielten eine oder mehrer Sachspenden abhängig von der Fahrzeit.

Erstes Zusammentreffen der Biker und die Bikes
Als sich bei strahlendem Sonnenschein die Mountainbiker am Silbersee einfanden wurde eines sofort klar. Es wird ein hartes und sehr persönliches Rennen. Nur 9 Mountainbiker brachten den Mut auf bei diesem Rennen teilzunehmen.

Damit man die unvorstellbaren Leistungen und den Mut der Biker versteht, zuerst etwas Fachchargon: Beim Rennen sind drei Fahrradtypen vertreten:
Die Hälfte der Biker zählt zu den verrückten aber hartgesottenen Typen die mit echten Steinzeit-Hardtails an den Start gehen, d.h. das Rad ist weder hinten noch vorne gefedert. Eines vorweg: Wir können von Glück reden, dass keines dieser Bikes inklusive Fahrer beim Downhill zerbrochen ist. Nochmals Glückwunsch und ein ehrfürchtiges Kompliment an diese Biker!!!
Die zweite Hälfte fährt mit den traditionellen Hardtails, d.h. das Vorderrad ist gefedert.
Und meine Wenigkeit besitzt ein sperrbares Fully, d.h. das Vorderrad und das Hinterrad sind gefedert bzw. die Federung des Hinterrads lässt sich blockieren.

Der Start
Gleich beim Start zeichnet sich der Unterschied aufgrund der unterschiedlich Ausrüstung ab. Ein nicht gefedertes Bike zeigt uns auf dem Video gleich zu Beginn den ersten Überschlag im Gefälle bei ca. 40 Kilometern in der Stunde. Der Ehrgeiz steigt und wir sprinten mit unseren kalten Muskel kurz den Berg hinauf. Schinderei und Schmerzen für die nächste Viertelstunde. Doch nach diesem ersten Anstieg ging es fürs erste nur noch bergab.


Der Downhill
Ewig lange wurden wir über Wurzeln und Felsen ununterbrochenen durchschüttelt. Die Hände schmerzen, man kann nicht mehr richtig bremsen! Überschläge, Bäume, Querwurzeln, Angstschweiß…

Der erste schlimmere Sturz passiert vor meinen Augen. Naish unterschätzt eine 90 Grad Kurve die von einer Felswand begrenzt wurde. Durch die Katapultwirkung beim Sturz schießt es ihn kopfüber in die Felswand. Die Folgen sieht jeder auf den Bildern im Ziel. Er gibt trotzdem nicht auf und holte die Biker wieder ein bis ihn ein Reifenplatzer zum Aufgeben zwingt. Nicht jeder hat an einen Reserveschlauch oder Pickzeug gedacht!!!

Tom zählt die Durchschläge bei seiner kaputten Federgabel nicht mehr und auch Andy hat bereits zum Zählen aufgehört. An Aufgeben wird nicht gedacht auch wenn Andys neue Federgabel 700 Euro kostet. Typischer Garantiefall!!!

Ein Felsen verbiegt mir die vorderen Zahnkränze und ich kann nicht mehr schalten. Ist mein Rennen auch vorbei? Mit einem Stein schnell wieder provisorisch gerade geklopft und weiter geht’s. Tonis Bike schafft die Hürden auch nicht unversehrt und erleidet einen Reifenplatzer. Fairness wird großgeschrieben und Andy überholt ihn nicht sondern hilft ihm den Patschen zu picken.

Im Grossen und Ganzen überstehen alle den Downhill mit Tragen und Stürzen. Manche eben mit mehr und andere eben mit weniger. Gratulation an alle auch wenn fast jeder Fahrer die letzten 100 Höhenmeter von der vorgegeben Route abkommt und einen eigenen Weg nach unten findet.


An dieser Stelle entschuldige ich mich im Namen des gesamten Teams für die schlechte Qualität der Bilder beim Downhill. Weiters geben die Bilder nicht annähernd die Schwierigkeiten des Downhills wieder. Das anschließende Video entschädigt dafür sicherlich. Unser Equipment ist leider für sehr rasche Bewegungen nicht geeignet. Außerdem war es uns nicht möglich an jeder schwierigen Schlüsselstelle einen Fotografen zu postieren.

Danke an die geduldigen Frauen und Männer hinter den Kulissen.


Der nachfolgende Uphill
Vom Anstieg auf den nächsten Berg gibt es leider keine Bilder jedoch einige Videoszenen im Video am Ende des Blogs. Die Nacht bzw. unser Equipment verhinderte brauchbare Bilder. Außerdem ist die Spitzengruppe schneller wie die Video- und Fototeams die Plätze wechseln können.

Das Ziel
Alle Biker erreichen das Ziel nahezu unversehrt und deshalb gibt es in diesem Sinne auch keine Gewinner! Die Bestzeit mit 1 Stunde und 55 Minuten stellten drei Fahrer gemeinsam auf: Werner, Tom P. und ich. Siegerfotos können wir keine präsentieren weil plötzlich Party und Chaos unter Fans und Fahrern ausbricht.


Silberseeranch
Gemütlich essen wir unsere wohlverdienten Koteletts, trinken Bier und genießen den Abend unter Freunden. Die Abenteuer bleiben für den einen oder anderen auch jetzt nicht aus!


An dieser Stelle möchte ich, sicherlich auch im Namen aller Teilnehmer, Mitarbeiter und Freunden, einem bestimmten Teilnehmer an dem Rennen mein Beileid aussprechen. Sein Rad blieb über Nacht mutterseelenallein am Parkplatz der Silberseeranch liegen. Es wurde nicht gestohlen sondern von einem unbekannten Autofahrer überfahren. Das Resultat ist ein Totalschaden!

Jürgen, wir wissen, dass du im Gedanken bei den uns warst – aber schade dass du selbst nicht teilnehmen konntest. Nicht verzagen, weil im nächsten Sommer ist genügend Gelegenheit beim Nightbike 2003.

Text: Herwig (geschrieben 2011)
Es hat seit diesem Rennen leider niemals mehr eine Fortsetzung gegeben !


Video
Das Video zu diesem Rennabenteuer ist „Old School“. Wenn du für die gesamten 25 Minuten des Videos keine Zeit hast, empfehle ich dir den Abspann ab Minute 20:00! Du wirst deinen Spaß haben aber natürlich auch wenn du das gesamte Video ansiehst.

Fotos