Tour am 16.10.2011Text MikeFotos Herwig, Franz
Logbuch Eintrag Sonntag 8 Uhr Mitte Oktober:
Es ist Hochnebel oder sagen wir einfach trübes Wetter draußen, ich trinke meinen schwarzen Kaffee mit „ohne Zucker“ um wach zu werden. „Bestimmt kalt draußen“ dachte ich mir. Genauer Treffpunkt wurde erst spät am Samstagabend bekannt gegeben – spontan so zu sagen, oder doch präzise Planung? Das Ziel des Enduroausflugs war mir ebenfalls noch unklar, naja. Mein Freund meinte noch „Klick Pedale sind eher nicht von Vorteil“. Also ab mit dem Kaffee zum Rad und noch schnell die Bärentatzen montiert. „Essen?“ dachte ich – also noch schnell eine Banane und zwei Müsliriegel eingepackt. Fertig – Auf zum Treffpunkt!
Man kennt dieses Phänomen ja: Obwohl man überzeugter Pedalist ist, braucht man einfach, um an weiter weg gelegene Spots zu kommen, ein „Kraft durch Freunde“- oder besser „Steuern und Stau“- Wagen, sprich ein Auto – am besten gleich zwei Stück wegen fünf Leuten und sechs Rädern… Moment, ja da war doch noch was: Also eigentlich waren es 4 fahrtüchtige Bikes und eines mit einem gebrochenen Rahmen – wobei das von Anfang an nicht so klar war. Logisch musste ich unserem Autofahrer die schlechte Nachricht, dass sein Schatzi am Hinterbaulager gebrochen war, überbringen… Na zum Glück konnte das unserem Vorhaben nichts ab und nach 2 Minuten Telefonat und weiteren 10 Minuten Fahrt zum befreundeten Radbesitzer, wurde eben das Sechste und meiner Meinung nach schickste Eisenpferdchen zugeladen. 160mm plus, mal sechs – soviel Federweg lässt so manchen Mountain-Bike Magazin Leser staunen.
11Uhr Abfahrt Fuß des Berges:
Es ging los – endlich! Ich war schon seit 2 Jahren nicht mehr mit Flats gefahren und war schon gespannt, ob sich das Wechseln auszahlen würde. Schließlich hatte ich auch den Champery WM Downhill mit Klicks überlebt. Okay, ein bisschen Fachsimpeln hier und da – tolles Material, nette Mitfahrer… das war schnell klar. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich gebeten wurde keine persönlichen Details wie den vollen Namen in dieser Memo zu verwenden, da Einige seit Jahren auf Grund von Verursachung von Flurschäden, Fahrerflucht auf Wanderwegen und weiteren sportlichen Schwerstdelikten, von Bundesforst und Vertretern der Landjugend gesucht werden. Gut, Zwei von den Vier kannte ich bereits und wusste zu welchen Höchstleistungen sie fähig waren – Kräfte einteilen war also gefragt. Und da war sie die Jungfrauenklamm oder war es doch die Heilige Marien Klamm – auf alle Fälle eine mit Holzstegen und Moos durchwachsene Klamm, so schön wie die Mutter Gottes es sich gewünscht hätte.
Trotz technischem Geschick und voller Konzentration wurde jeder Steg zu einer kleinen Herausforderung – Nasses Holz, enge Handreling und doch 100% fahrbar… der Ehrgeiz lag in der Luft. Versetzen ohne Klicks? Bei mir Fehlanzeige – wie auch? Ich hatte keinerlei Übung. Schnell weiter bevor ich den Flow der Anderen ruinieren würde – „Man hüte sich vor dem königlichen Flow“ (wer’s nicht kennt schaue sich Disneys „Ein Königreich für ein Lama“ an).
13Uhr mitten im Berghang:
„Ab hier wird getragen“ – das Unvermeidliche wurde klipp und klar ausgesprochen. Nach einer guten Weile bergauf war Endstation auf der Forstautobahn, runter vom Sattel und ab auf die Schultern mit den Velos. Kurz davor hatten wir noch über die Problematik „Zusammenspiel von Wanderern und Radfahrern“ gesprochen und nach 5 min Wanderweg standen schon die Ersten vor uns:
„Was, ihr wollt bis ganz rauf? Wow!“ bemerkten sie recht bewundernd und fügten hinzu „Oben ist es sonnig!“.
Ich freute mich wie ein kleines Kind auf Schokolade. An solchen nasskalten Tagen und besonders am Berg ist mein Begehren nach Sonne besonders groß. Noch dazu hatte ich zwar ein trockenes Wechselleiberl dabei, war aber generell zu kühl angezogen (Merke: lieber zu viel zum Anziehen als zu wenig mitnehmen). Es dauerte nicht lange da kam uns der nächste Wanderer entgegen. Er lachte und konnte es nicht glauben, dass wir allen Ernstes unsere Räder mit auf den Gipfel nehmen wollten. Nachdem der Weg wirklich steil und wurzelig wurde und immer mehr und immer größere Erd- und Felsstufen kamen, bezweifelte ich, dass wir viel von der Strecke fahren würden. Mir war es egal, ich wollte einfach in die Sonne, über alles weitere würde ich mir später Gedanken machen. Noch zwei, drei Fotos mit dem alten Herren, damit er für seine Frau etwas zum herzeigen hatte (Gipfelfotos wird sie wohl schon einige gesehen haben, dachte ich mir). Weiter, die nächsten absteigenden Wanderer fragten uns ironisch
„Wieso foahrts denn ned aufi?“ – ich lachte und ging vorsichtig vorbei.
Mit einem Bike am Buckl ist man ziemlich breit, muss man wissen und der Wanderweg war so schmal geworden, dass wir aufpassen mussten nicht die Latschen zu streifen oder gar hängen zu bleiben. Der Waldboden war entschwunden und nackter Felsboden war der neue Untergrund. Wieder kam eine Wandererin und lachte und wieder erklärten wir ihr, dass es kein Problem sei hier runterzufahren und, dass das schon Andere vor uns gemacht haben. „Des geht scho!“ meinte unser Guide. Ich ging weiter, immer ein Auge auf den Vormann und eines auf den Boden – ein fester und guter Stand ist das A und O im Gebirge (mit oder ohne Rad am Buckl). Die Baumgrenze war erreicht. Der Steinpfad wandte sich in einen Hochalpinen Almweg mit Lawinenstangen an der Seite, die im Schnee steckten. Und siehe da, blaue Flecken waren durch den Wolken-Nebel-Teppich zu erkennen.
15Uhr Gipfelfoto:
Blauer Himmel, ringsherum Bergketten, ein Wolkenteppich unter uns und warme Sonnenstrahlen über uns. Besser hätten wir’s nicht erwischen können. Vom Nebel in die Sonne – von einem Extremum ins Nächste. Erstmal das Leiberl‘ gewechselt, im von der Sonne gewärmten Almgras gejausnet, und entspannt. Traumhaftes Alpenpanorama – oh wie gut tut das!
Das Herz lachte und Zufriedenheit stellte sich bei Allen ein. Alpinbiken ist ein wahrer Traumsport, denn trotz dem erschwerten Gewicht, das wir Biker im Vergleich zu einem Wanderer haben, saßen wir neben dem Gipfelkreuz, alle mit dem Hintergedanken „Jetzt geht’s gleich bergab“ – Entlohnung, Befreiung, vollkommene Konzentration und gleichzeitig Ausschalten und frei sein. Nachdem dieser Berg ganz schöne Höhenmeter zu bieten hat, würde das ganze Glückspacket für eine relativ lange Zeit zur Verfügung stehen. Na gut, genug der verträumten Worte und an mit den Protektoren. Es ist schließlich kein Meister vom Berg gefallen – äh, egal! Noch kurz ein, zwei Fotos für den Intersport-Katalog (kleiner Scherz, dennoch sind sie so kitschig gut geworden, dass sie eher in ein Freeride Magazine gehören) und ab geht es. Wir wählten den gleichen Weg zurück, den wir raufgetragen hatten.
17Uhr mitten im Trailfieber:
Nach der Almwiese fing wieder der felsige Trail durch die Latschen an und mit ihm Serpentinen, Felsstufen und weitere verblockten Passagen.
Bereits an der zweiten Kurve stiegen alle bis auf einen von ihren Bergrädern ab. Zwei vorne, einer hinten. Die Hände über Rucksack, Lenker und Schulter, jederzeit bereit einen möglichen Sturz sofort abzufangen, den Schwung zu dämpfen oder kurz gesagt, das traf bei einigen Stellen den Nagel auf den Kopf, demjenigen sein A*rsch zu retten der sich traute den neuen Trailabschnitt zu fahren. Klar stößt man an seine Grenzen. Der Ehrgeiz packt einen: wie gut ist die Technik? Das Gleichgewicht? Das Versetzen von Hinter- und eventuell Vorderrad? Mit einer guten Portion Selbstvertrauen, die Wahl der richtigen Line, wobei hierzu wiederum anzumerken ist, dass die schönste Line, nicht unbedingt die Fahrbarste war, meisterte einer nach dem anderen die verblockten, engen und steilen Stücke, die beim Aufstieg einen wirklich zweifeln liesen. Zugegebenermaßen ließen wir dann doch genau zwei Steinstufenpassagen bewusst aus – ohne Auslaufzone und ohne Spottingmöglichkeit war uns das Risiko einen Biker zu verlieren einfach zu hoch.
Eine Passage nach der andere probierten wir durch. Anfahren, Absteigen, wieder hoch tragen. Anfahren, steckenbleiben, nochmal hoch tragen. Anfahren, umsetzen, über die große Wurzel und geschafft. Der Felsboden wurde langsam wieder erdig und nachdem die fatalen Absturzmöglichkeiten, dank vermehrtem Baumaufkommen, an dem immer noch steilen Berghang schwanden ging der Spotting Modus nahtlos in einen schnellen, dennoch technischen Downhill über. Wir passierten den Punkt an dem wir die Räder ein paar Stunden zuvor schulterten und kreuzten die Forststraße, hinab durch einen Naturtrail der jeden auch noch so geübte Biker ins Schwitzen bringen kann ohne im den Spaß am Biken zu nehmen.
Wir waren bereits wieder lange in den Hochnebel eingetaucht und Wurzeln, Steine und Erdboden waren nass, rutschig und trotzdem fülhte es sich sicherer an als oben auf trockenem Fels. Immer schneller schluckten die Federgabeln den Untergrund und immer mehr Flow machte sich breit. Die Anspannung wich mit der Geschwindigkeit und mit steigender Bremsscheibentemperatur immer weiter richtig Fuß der Meßnerin. Kehre um Kehre, bald durch einen dichten Nadelwald, vorbei an alten Holzzäunen und auf weichem Waldboden bis letztlich hin zu dem Parkplatz. Glücklich über das gerade Erlebte und doch ein wenig traurig dass alles vorbei war, schraubten wir unsere Steckachsen raus – der Rest gehört schon wieder zur Routine. Hoffentlich machen wir das bald wieder – Mörder Aktion!
Fotos







































