Tour am 09.10.2011Text FloR
Einem Anruf von Herwig kann ich entnehmen, dass er für dieses Wocheende eine Tour auf einen nur teilweise bekannten Berg nördlich von Graz vorhat. Er meint weiters, er habe noch Platz im Auto, ich müsste mich als nur am Sonntag, 10:00 vor seiner Wohnung einfinden. Optimal! Nun besitze ich wahrscheinlich das einzige Mobiltelefon der Welt, das sich zu einer einstellbaren Zeit automatisch aus- und dann wieder einschalten kann. Leider dauerts dann noch bis abgängige Nachrichten eintreffen. So kommt es also, dass ich an jenem Sonntag von zu Hause aufbrechen will. Das Rad geschultert, steuere ich aus dem Keller zielstrebig auf die Haustür zu. Haustüre offen, ich will gerade durch, da meint mein Telefon, dass es ein Kurznachricht für mich hätte…
Die verzwickte Anreise mit dem Auto:
Die Nachricht, eingetroffen um ca. 01:30, besagt, dass die Party lang war und wir erst um 11:00 starten wollen. Rad wieder in den Keller und eine Stunde warten. Bin also um 11:00 beim Herwig. Wir warten gemeinsam noch auf Gernot der sich ebenfalls bei uns einfinden soll. JoJo ist schon sehr aufgeregt und möchte endlich ihre 4 Pfoten ausführlich im Wald auf Grip testen. Die Zeit vergeht. Endlich komplett, will ich mich mir den Beifahrersitz holen. Herwig aber drückt mir die Autoschlüssel in die Hand – er sei genau genommen und gesetzlich gesehen noch nicht so wirklich richtig fahrberechtigt. Ich erfahre noch, dass Flo S., Hribi und Martin H. in Andritz auf uns warten und diese würden unsere Ankunft in diesem Moment erwarten. Jetzt muss man kurz erwähnen, dass an genau diesem Tag irgendein Laufmarathon in Graz stattfand. Abfahrt mit dem Auto war dann endlich um 11:30. Wir cruisen also durch Graz, vorbei an Straßensperren, Polizisten und Umleitungsschildern. Nach langem hin und her und wieder zurück schaffen wir es schließlich von den Inffeldgründen über den Hilmteich und die Heinrichstraße 45min zu spät am vereinbarten Treffpunkt zu sein. Weiter geht es gemeinsam mit den Autos 45min Richtung Norden.
Der verzwickte erste Uphill:
Das Wetter ist toll. Sonne soweit die Sonne reicht. Herwig erklärt kurz die Tour – 2x rauf, 2x runter – und meint noch nebenbei, dass er die zweite Aufahrt und die erste Abfahrt nur vom Hörensagen kennt. Wir rollen los. Gesprächsthemen, Umbauten an einigen Rädern, kleine Gruppen und eine stabile Geschwindigkeit finden sich, nur der erste Einstieg nicht. Alles retour. Der Einstieg, schließlich doch gefunden, präsentiert sich steil und unbarmherzig. Der Schatten und damit die herbstlichen Temperaturen sorgen aber für angenehmes Körperklima. Die Muskeln gewöhnen sich schnell an die vom Auto grundsätzlich verschiedene Bewegungsart und damit gehts durch ein Labyrinth von Forstwegen den Berg hinan. Die letzten Paar Meter schultern wir die Räder.
Der verzwickte erste Dowmhill:
Am Gipfel angekommen zeigt sich uns ein kleines Gipfelkreuz neben einem kleinen morschen Bänkchen in Mitten von hohen Bäumen. Keine Aussicht, nur Schatten und niedrige Temperaturen. Dennoch wird gejausnet. Jojo jausnet auch mit… Kornspitz mit was drinnen, worauf Hribi seinen Verlust beklagt! Wanderer schließen auf. Der übliche „Seids es deppert?“ – Blick beantwortet von ein paar blöde Meldungen unsererseits brechen das Eis und die Neuankömmlinge zeigen sich durchaus interessiert. Sogar ein Fahrtechniktraining wird unverbindlich vereinbart. Luft auslassen zur Gripverbesserung wechselt sich ab mit wieder Luft einpumpen wegen Schlangenbiss. Irgendwann sind alle mit ihren Drücken zufrieden. Los gehts. Schattenseitig, für keinen von uns durchgehend fahrbar aber auf jeden Fall interessant schlängelt sich der Steig gen Mur. Auf halbem Weg ins Tal entscheiden wir uns gleich die zweite Auffahrt zu starten, da wir erst 2h später als erwartet starten konnten und die Sonne in dieser Jahreszeit zeitig abblendet.
Der extrem verzwickte zweite Uphill:
Wir verlieren einige viele Höhenmeter auf der Forststraße, die uns später wieder in die Nähe des Gipfels bringen soll. Es ist kalt, wir machen Höhe und die Forststraße endet unerwartet – wir erinnern uns, dass Herwig diese Auffahrt (wie die vorangegangene Abfahrt) nur vom Hörensagen kennt. Soweit so gut. Wir einigen uns, das kleine Stück zum Gipfel ohne Weg zurückzulegen – so schlimm kanns nicht sein, wir sind ja jung und stark und überhaupt. Herwig geht mit gutem Beispiel voran. Wir erklimmen einige Meter auf einem halbwegs begehbaren Steig zu einem Jägerstand (was für eine Ironie, Radfahrer nutzen einen Jägersteig…). Der Großteil der ca. 150hm legen wir aber mit zwei Füßen am Boden, einer Hand am Rad und der anderen Hand am Hang (ohne uns bücken zu müssen) zurück. Gleichgewicht halten mit externer 15kg schwerer Belastung, Abschätzen der Haftreibung von Radlschuhen in unwegsamen Gelände, Herumnavigieren der doch sperrigen Räder um Hindernisse – alles nur Training. Irgendwann hat uns der Gipfel wieder. Gleich kalt, gleich unanttraktiv, aber diesmal ohne Pause.
Der weniger verzwickte zweite Downhill:
Die zweite Abfahrt ist laut Herwig viel einfacher, schöner, lange nicht so steil wie die letzte und überhaupt. Nach den ersten Metern steht eine längere Pause auf einem kleinen baumlosen Plateu mit tollem Ausblick an. Herrlich. Windig, aber herrlich. Der Frust der ersten Abfahrt und der Frust des zweiten Aufstiegs verschwinden und die gute Laune ist zurück. Ab hier sind übrigens alle Fotos entstanden. Gestärkt und motiviert gehts weiter. Und das „weniger steil“ beim Einstieg in den Trail stellt sich als Untertreibung heraus. Nur zwei haben das Können und den Grip, die steilen von Laub überzogenen Stücke zu meistern. Aber zumindest ist uns warm und das Gelände wird nach wenigen Metern freundlicher. Der Frust ist weg, der Flow ist da. Herrlich. Die letzten paar Meter gehts auf einem von Spitzkehren gespickten Wanderweg gemütlich bis 10m vors Auto. In der vorletzen Kurve braucht Herwig noch einen luftdichten Schlauch von mir aber schließlich haben wirs geschafft. Viel gelernt, die Grenzen neu ausgelotet und die Jahreszeit gespürt. Ein herrlicher Tag. Vielen Dank dem Guide, der übrigens gerade wegen der unvorhergesehen Situationen die „volle Gaude“ gehabt hat und nun auch wieder autofahrtüchtig ist.
Fotos



















