Tour am 30.10.2011Text StefanFotos Herwig, Franz
Allein unter Österreichern – oder: Wie ich lernte, die Hölle (von Dalco) zu lieben.
„Der Moser“ – die Mutter aller MTB-Gebietsführer – schreibt von einem „Teufelsritt“ und spricht – vermutlich aus Furcht vor Schadenersatzklagen seiner Leser – so drastisch von Dalco, dass es abschreckend wirkt. Obwohl ich die Berge zwischen Limone und dem Monte Tremalzo schon seit Jahren mit dem MTB befahre: Die Abfahrt von Dalco habe ich mir bisher nicht zugetraut – bis ich „die Grazer“ kennengelernt habe. „Die Grazer“ fahren nicht nach einem „Roadbook“. Stattdessen werden die Ausfahrten auf der Karte geplant und danach auch gefahren. Selbstverständlich kommt auch kein GPS-Track zum Einsatz – sehr sympathisch.
Das erste Mal war ich zusammen mit den Grazern in Dalco mit einem tourentauglichen Carbon-Leicht-Fully unterwegs – wie nicht anders zu erwarten war, geriet die „Abfahrt“ für mich eher zum Abstieg, der mit Fahrradschuhen auch nicht ganz einfachen zu bewältigen war. Immerhin durfte ich den Grazern aus nächster Nähe bei ihren Manövern zusehen. Echte Könner bei der Arbeit – vor der Kulisse des Gardasees und des Monte Baldo eine Augenweide.
Einige gemeinsame Ausfahrten später habe ich mir dann selbst ein „Enduro“ zugelegt (eines mit Motor hatte ich ja bereits…). Und beim nächsten Gardasee-Ausflug mit den Grazern hieß es wieder: Auf nach Dalco – an einem wunderbar sonnigen Tag im Spätherbst 2011. Die lange Auffahrt vom Gardaseeufer in Limone kenne ich bestens – auch das hübsch verschlafene Vesio, mit seinem verträumten Hotel Fenice. Ab Vesio knirscht der Schotter unter den Stollen – so soll es auch sein. Der Weg schlängelt sich entlang der Kammlinie gemütlich in Richtung Passo Nota wo sich alle Tremalzo Aspiranten im Sommer tummeln (umrahmt von altem Kriegsgerät)…
Unterhalb der Cima Sospiri findet sich der „Einstieg“ in die Abfahrt: In einer Rechtskurve zweigt ein kleiner unscheinbarer Pfad ab, der am Hang entlang um den Berg herum führt. Anfangs schön „flowig“ – die Federung des Enduro vermittelt ein Gefühl wie im Schaukelstuhl daheim vorm TV – nur ist der Film hier Realität… Viel zu bald treffen wir (Helga, Franz, Herwig und ich) auf den Abzweig nach „Dega“ und auf die kleine Wiese bevor man schließlich endgültig die Hölle betritt: Mit einem Mal findet sich der Endurist inmitten der Steilwände, die hinter Limone aufragen und vom See aus absolut unfahrbar anmuten. Es beginnt de je nach Fahrkönnen mehr oder weniger verzweifelte Kampf mit der Materie.
Steile Felsstufen – enge Kurven – hier sollte alles stimmen: Das Material – das „Setup“ – die Fahrtechnik – und ein wenig todesverachtender Mut ist auch nicht fehl am Platze – in der Hölle von Dalco. Selbst ein überzeugter Helmverächter wie ich fährt jetzt mit Kopfbedeckung und in neuzeitlicher Ritter-Rüstung. Immer wieder sind steile und steilste Passagen zu bewältigen – hohe Stufen – alles das vor dem permanenten Tiefblick nach Limone und dem Lago Gaga.
Der Weg – kunstvoll in das Gelände gezeichnet – zickzackt sich durchweg spektakulär und steil abwärts – das Auge sucht während der Fahrt ständig nach der richtigen „Linie“ – und dank des verbesserten Fahrgeräts kann ich diesmal auch einiges mehr fahren als bei der Premiere im Sommer. An den schwierigen Stellen wird geübt mit freundlicher Sicherung durch die Mitfahrer – manche Stelle gelingt erst im zweiten oder dritten Anlauf. Der untere Teil wird kurzzeitig nocheinmal sehr verblockt bevor einen die Hölle unvermittelt wieder in die asphaltierte Zivilisation „ausspuckt“. Betont lässig rollen wir zurück an den Strand von Limone wo die letzten Touristen der ausklingenden Saison flanieren – wenn die wüssten wo wir herkommen …
Als einziger „Piefke“ unter mehreren Österreichern durch die Hölle zu gehen – man könnte Gefallen daran finden…
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