Einen Kilometer am Grat biken – Gailtaler Alpen

Tour am 07.07.2012Text SteffiFotos Herwig, Mihi, Steffi

Bei strahlend schönem Wetter starteten wir die Anreise Richtung Gailtal um einen neuen, unbekannten Berg zu biken. Ziel und Höhepunkt der Tour war der Bergrat, welcher sich laut Landkarte als ewig langer Trail von einem Kilometer Länge zeigte. Schon bei der Anreise wurden wir von den Eindrücken der karnischen Alpen überwältigt, die uns schon über andere mögliche Touren philosophieren ließen. Die ersten 600 Höhenmeter legten wir mit dem Auto zurück, anschließend ging es weitere 600 Höhenmeter mit dem Bike eine Forststrasse bergauf bis zu einer bewirtschafteten Almhütte.

Bei der Almwirtschaft war ein kurzer Zwischenstop angesagt. Eine hausgemachte Käsesuppe „interessant und gschmackig“ sorgte für neuen Power und Hollersaft für „Erfrischung bzw. Revitalisierung“.

Jojo genoß währenddessen mehrmals ein Bad im Tränkebecken gleich an der Hüttenterrasse, somit kamen auch die zugekehrten Wanderer in den Genuß einer feucht fröhlichen Abkühlung. Jojo sei Dank. Nach dem zweiten oder dritten Bad von JoJo mit anschließendem bekannten Hunde-Schleudergang hat sich der nebensitztende Wanderer dann doch die Regenjacke angezogen anstatt den Platz zu wechseln oder gar mit JoJo bzw dem Hundebesitzer zu schimpfen. Dies sorgte natürlich für beste Unterhaltung am Berg und freundlich, lustige Gespräche.

Von der Almhütte gabs nur mehr ein Ziel – den Gipfel. Der Uphill wandelte von einer gemütlichen Forststrasse in einen almigen Wandersteig, gespickt mit gelegentlichen Überraschungen für aufmerksame Wanderer bzw. Biker.

Damit wir von allen Uphillmöglichkeiten wie fahren, schieben und tragen was haben, wurden die Bikes die letzten 350 Höhenmeter gekonnt geschultert, und über felsige Passagen getragen.

Zwischendurch machen wir immer kleine Pause um den atemberaubenden Ausblick zu genießen.

Zwischen dem Gipfel und uns liegen nur mehr ein paar Tragehöhenmeter. Die Linienführung war hierbei besonders wichtig, da der letzte Abschnitt ein Schafdung-Mienenfeld war.

Die Freude war unsagbar groß als wir, leicht erschöpft am Gipelkreuz ankamen … oder war es schon die Vorfreude auf den bevorstehenden Downhill? Natürlich haben wir uns mit einem kleinen Hinweis, dass wir mit den Bikes am Gipfel waren, auch im Gipfelbuch verewigt.

Nach den ersten Downhillmetern war schon klar, dass dieser Almritt mit dem hohen Gras und den versteckten Unebenheiten bzw. Löchern eine Klasse für sich ist.

Der Grat endet nicht… jedoch gibt der Kameraakku den Geist auf. Somit konnten die schwierigsten Stellen (Kletterpassagen und sehr, sehr schmale, bikend bewältigte Grad-Trail-Passagen) nicht dokumentiert werden. Es war der Hammer!

Juhu!!! Der Akku ist nicht ganz leer. Ein paar Fotos hintereinander macht die Kamera noch und dann ein wenig warten und wieder ein paar Fotos. JoJo versucht sich als Hirtenhund und macht Bonushöhenmeter beim Zusammentreiben der Schafe … Mihi schafft, währenddessen JoJo sprintend mindestens 100hm rauf und runter macht, grad mal sein Bike ein paar Meter hoch zu schieben … siehe Vergleich zwischen den linken Bildern … Unglaublich!

Der Grat endet noch immer nicht und hat noch immer neue Überraschungen zu bieten von flowig durch die Wiese surfen bis zu felsigen Passagen, welche ein bisschen Trailtechnik fordern, wobei der Spaßfaktor bei dieser Tour ganz sicher großgeschrieben wird.

Die Länge dieses Grats ist einfach unglaublich. Danke an die Gründer und Bauer dieses Trails.

Leider ist der Trail, speziell im unteren Teil sehr verwachsen. Hoffentlich haben wir den Weg mit unseren Bikes ein wenig einsichtiger gemacht, auch wenn Mountainbiker unserer Gangart nahezu keine Spuren in der Berglandschaft hinterlassen.

Der Downhill zehrt nicht nur an unseren Kraftreserven sondern auch an denen von JoJo. Seit ihren Versuchen als Hirtenhund, haushaltet sie plötzlich sehr ökonomisch mit ihren Kräften.

Querfeldein geht es, das letzte Stück des Grats, freeridemäßig runter, was eine freie Linienwahl bedeutet, da teilweise kein Trail mehr zu erkennen war. Hier war die Bodenbeschaffenheit und das hohe Gras wieder eine Challenge.

Herwig meinte noch:“ Wenn fallst, probier nach hinten vom Rad abzusteigen!“

Ja, gut gemeint. Nicht viel später blieb ich in einer vom Gras versteckten Rille mit dem Vorderrad stecken … probierte noch seitlich abzusteigen, denn nach hinten ging sich laut meinen Berrechnungen eindeutig nicht mehr aus! Mein Gleichgewichtssinn bereitete mir auf diesen unwegsamen Gelände leichte Schwierigkeiten und ich vollführte einen gekonnten Purzelbaum inklusive Bike. Das hohe Gras hat auch seine Vorteile, denn mir passierte nichts.

Weiter gings sehr flowig, teilweise auf Wanderwegen, auf Forststrassen oder diese kreuzend auf Abschneider-Singletrails. Perfekt um diesen tollen Tag ausklingen zu lassen und die Impressionen dieser Tour wirken zu lassen.

Die größte Herausforderung bei dieser Tour war wohl der psychische Faktor, da es links und rechts teilweise ziemlich steil runter geht am Grat, speziell am nicht dokumentierten mittleren Teil des Grats. Der Gebirgsgrat war an manchen Stellen nur einen halben Meter breit. Auf einer fünfer Skala ist dies fahrtechnisch fast durchgehend nur eine 2 bis auf vereinzelte 3er, 4er und 5er Stellen und psychisch eindeutig durchgehend eine 5 im langen mittleren Abschnitt und entspannt sich dann auf eine 3 bis 2 gegen Ende des Grats.

Fotos